Mittwoch, 10. Februar 2016

Der kalte Schauer - Wieso ich mich beim Schreiben fürchte

Welcher Thriller-Autor kennt sie nicht, die Fragen, die sich um die eigenen seelischen Abgründe drehen. Wie sonst würde man auch darauf kommen, einen so grausamen Mord, eine so ausgefeilte Entführung oder eine so blutige, ausufernde Folter zu formulieren, wenn nicht durch die Freude an diesen Dingen? Sind wir alle Psychopathen, oder steckt dahinter vielleicht ein reichhaltiger Instrumentenkoffer, auf den wir als Autoren zurückgreifen?

Ich habe mich nie schwer damit getan den Genuss von Jägern und Mördern darzustellen, weil sie uns allen im entfernten Sinne nicht fremd sind. Wir alle haben Momente äußerster Aggression bereits erlebt, aber wir sind vernünftig genug die Gewalt gegen die Ratio abzuwägen und zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Nimmt man das Gefühl andauernden psychischen Drucks, verhält es sich ähnlich. Alltägliche Situationen, die sich unangenehm wiederholen, sind bereits eine Art von Folter, der wir uns aussetzen. Teils ohne Möglichkeit zur Flucht. Langeweile ist für meine Begriffe unter anderem der Ausdruck unseres Informations-süchtigen Gehirns, das wir mit jeder Minute ohne Netflix und YouTube aushungern und quälen. Extrapoliert man diese Zustände der eigenen Extreme, dann ist das eine gute Grundlage, um Motive und Handlungsweisen von Tätern zu unterfüttern.

Doch sie sind noch zu schwach, um beim Schreiben wirklich satten Terror zu erzeugen. Meine Methode an dieser Stelle ist denkbar einfach und gleichzeitig überaus problematisch. Ich fürchte mich. Manchmal fürchte ich mich so sehr, ich möchte nicht mehr aus meinem Stuhl aufstehen, bis die Sonne aufgeht und ich endlich wieder die Welt im Licht sehen kann. Furcht ist aber bei jedem unterschiedlich und so erklärt sich meine Furcht durch meine Kindheit auf dem Lande. In Ostfriesland badet man nachts quasi in Schatten und hört die furchtbarsten Geräusche, hinter denen sich in der jugendlichen Fantasie alles mögliche verbergen kann. Mit dem Erwachsenenalter habe ich manche dieser Geräusche zugunsten eines halbwegs erträglichen abendlichen Alltags natürlich geprüft und neu bewertet, doch der Apparat ist nach wie vor vorhanden. Schalte ich das Licht aus, oder schreibe - wie aktuell - in einer komplett leerstehenden Wohnung mit nur einem beleuchteten Zimmer und vielen dunklen Ecken, dann brauche ich nicht lange auf die Furcht zu warten. Das Prickeln auf der Haut, wenn man sich nicht traut auf den düsteren Flur zu treten, weil die Figuren im Roman gerade bis an ihre Grenzen gegangen sind, nehme ich in den Pausen zurück mit aufs Papier.

Ich sage nicht, dass Furcht die beste Methode ist, um aus der Perspektive der Hauptcharaktere die Fähigkeiten des Täters zu erfahren. Vielmehr nutze ich die Angst vor dem Unbekannten, die leichte Paranoia und die Steigerung hinein in das Ausgeliefert-Sein, um die richtigen Worte zur richtigen Zeit einzusetzen. Ich fühle mich so, also habe ich direkteren Zugang zu einer passenden Beschreibung. Ich schrecke auf, also schreibe ich das. Ich sehe vor mir den blanken Horror, also läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Das bringt mich auch dazu, vorsichtiger zu sein. Nicht jeder ist ein Held und nicht jeder kann in schwierigen Situationen glänzen. Wir sind alle nur Menschen. Haben Panik, brechen in irgendeine Richtung aus, um zu fliehen. Das vergessen wir manchmal, weil unsere Charaktere durchaus das Ruder in der Hand haben und die Geschichte unterbewusst durch sie geformt wird.

Es ist nicht ratsam, sich zu fürchten der Furcht halber. Das kann ohne Gewöhnung gravierende Einflüsse auf die Psyche haben. Rennt also nicht los und zieht euch Horror-Filme rein. Lasst die Finger von den Sicherungen, wenn ihr Atemnot im Dunkeln bekommt. Furcht hilft nur, wenn man über sein Leben hinweg den angenehmen Grusel und die fliehende Panik in Einklang gebracht hat. Sie sind, natürlich, nur in der Vorstellung vereinbar. Aber da gehören sie ja auch später dem Leser. Und vielleicht wünscht man sich ja heimlich doch, dass da noch jemand ist, der erst einmal alle Lichter wieder anmacht, wenn das Kapitel beendet ist. Oder was sagt der Mann dazu, der gerade hinter dir steht?

Sonntag, 15. November 2015

Inktober und NaNoWriMo

Leider habe ich den Inktober zugunsten einiger wichtiger Arbeiten abbrechen müssen und bin darüber hinaus auch spät in den NaNoWriMo gestartet. Ich habe aber auch gute Neuigkeiten: Wenn ich mich richtig dahinterklemme und die Geschichte ausarbeite, deren Exposé bis jetzt überzeugen konnte, darf ich Ende Dezember mit der Unterstützung einer professionellen Agentur rechnen. Mir war das schon lange ein Bedürfnis mit Menschen zusammenzuarbeiten, die genau wissen, welche Geschichte sie den Verlagen mit Überzeugung anbieten wollen und können. So hat es sich auch ergeben, dass der einstige Mehrteiler aus dem Bereich Fantasy erst einmal ruht und dafür aus einem kleinen Pitch heraus ein Exposé für einen historischen Thriller entstanden ist. Ich liebe die Geschichte jetzt schon sehr, da mir die Hauptcharakterin, die übrigens die einzige Perspektive ist - für mich ein Novum, sehr am Herzen liegt und mit ihren Sorgen und Nöten aus der Seele spricht.

Mehr davon dann an dieser Stelle. Danke für´s Reinlesen!